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 DDR-Sprachgebrauch
Inoffizieller Sprachgebrauch der DDR:  
inoffiziell  offiziell

Die DDR-Obrigkeit war berühmt, berüchtigt für ihre Versuche, sich vom "Klassenfeind" (vor allem der BRD) - koste es was es wolle - auch im Sprachgebrauch abzugrenzen.

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Der DDR-'Volksmund' war im Gegenzug aber auch sehr erfinderisch beim Auf-die-Schippe-Nehmen der Lebensumstände und der Führung im Lande ... :)

DDR (inoffiziell)
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abkindern
Die Schulden des Ehekredits wurden werdenden Eltern zum Teil erlassen. Einen Ehekredit konnten alle Jungvermählten in Anspruch nehmen.
Apparatschik Abwertende Bezeichnung für einen DDR-Funktionär.
Arbeiterdenkmal Scherzhafte Bezeichnung für einen Arbeiter, der gerade nicht tätig war, eine Pause machte.
Die Bezeichnung lehnt sich an die vielen Statuen in den "volkseigenen Betrieben" der DDR an, die Arbeiter als die Vertreter der herrschenden Klasse darstellen.
Arbeiterschließfach Neubauwohnung in den Plattenbauten der Trabantenstädte.
Balkanziege
Spöttisch für einen rumänischen Lieferwagen.
Ballast der Republik
auch:
'Erichs Lampenladen',
'Lampenladen Mitte',
'Palazzo Protzo' ...
Umgangssprachlich für den 'Palast der Republik' in Berlin.

*Am 06. Feb. 2006 wurde damit begonnen den Palast abzureissen. Am 02. Dez. 2008 war der Abriss abgeschlossen.
Berufsjugendlicher Spöttisch für einen der zahlreichen FDJ-Funktionäre, die erheblicher älter waren, als es die vorgeschriebene Altersgrenze von 35 Jahren (für FDJ-Angehörige) erlaubte.
blaue Fliesen Inoffizielle Bezeichnung für einen 100 DM-Schein (Westgeld!).
Damit konnte der DDR-Bürger im Intershop einkaufen und z. B. auch begehrte (weil rar) Handwerker-Leistungen bekommen.
Blockflöten Blockflöten - ironisch für Mitglieder der sogenannten, in der "Nationalen Front" bis 1989 zusammengefassten "DDR-Blockparteien": (CDU, DBD, LDPD, NDPD).
Bonbon Ironisch für das Parteiabzeichen der SED.
Bonzograd Wohnviertel nur für: Diplomaten, Parteifunktionäre ... in Berlin-Pankow.
Bückware Die Ware, die nur über "Beziehungen" (Westmark) zu bekommen war. Sie lag "versteckt" z. B. unter der Theke - Verkäufer mussten sich also bücken, um sie hervorzuholen ...
Bummelschicht Das nicht entschuldigte Fernbleiben vom Arbeitsplatz, das Blaumachen.
Buschfunk Die informelle Weitergabe von Informationen, vor allem in Betrieben.
Datsche Wochenendhäuschen.
falten gehen Ironisch für: wählen gehen. Der Hintergrund war, dass das Einheitssystem keine wirkliche Wahl erlaubte!
Feierabendbrigade Ironisch für Schwarzarbeiter, die nach Feierabend tätig wurden.
Fresswürfel Ironisch für ein (meist in Neubaugebieten zu findendes) quadratisches Gebäude, das der Versorgung von Schulkindern und Mitarbeitern nahegelegener Schulen und Betrieben diente.
Honny Scherzhafte, aber nett gemeinte Bezeichnung für: Erich Honnecker.
Honnywood auch: Kleinspitzbarthausen (*Walter Ulbricht trug einen Spitzbart).

Scherzhafte Bezeichnung für die der SED-Prominenz reservierte Siedlung: Wandlitz (in der Nähe von Berlin).
Horch & Guck Horch & Guck = die Stasi.
Karpatenschreck Gemeint ist damit ein rumänischer Kleinlastwagen. Es gab für ihn kaum Ersatzteile, auch hatte er viele technische Mängel.
Kellerfilme Offiziell verbotene Filme, die nur privat gezeigt wurden.
Kleinspitzbarthausen Scherzhafte Bezeichnung für die der SED-Prominenz reservierte Siedlung: Wandlitz (in der Nähe von Berlin).

auch: Honnywood.
(*Walter Ulbricht trug einen Spitzbart)
Märchenauge

auch:
Existenzellipse,
Kannibalenabzeichen,
Ochsenauge ...
Parteiabzeichen der SED.
MEMFIS Inoffizielle Bezeichnung für das Ministerium der Staatssicherheit (eigentlich: MfS).
Mumienexpress Mit dem Begriff: 'Mumienexpress' bezeichnete der Ost-Volksmund die Züge mit den Ost-Rentnern (Frauen ab 60 und Männer ab 65), die in den Westen zu Verwandtenbesuchen reisen durften.

* Hinter der Reiseerlaubnis für diese Personengruppe steckte wohl das Kalkül der DDR-Regierung, dass eine große Zahl der "teuren" Rentner im Westen bleiben würde.
Tatsächlich blieb aber nur jeder 1.000te Ost-Rentner in der BRD.
Mumpelspritze
Die 'Kalaschnikow' (AK-47), ein sehr robustes, sowjet. Gewehr (oft auch als Maschinenpistole bezeichnet).
Nuttenbrosche Ironisch-spöttische Bezeichnung für den Brunnen am Alexanderplatz in Berlin.
In der Nähe dieses sehr kitschig gearbeiteten Brunnen gab es auch ein reges Treiben von Damen des horizontalen Gewerbes (die natürlich besonders gern gegen Devisen tätig wurden!).
Proletengrill In Anlehnung an den Westler-Ausdruck: Teutonen-Grill für die Adriaküste, war Proletengrill ein Ausdruck für die für DDR-Bürger erreichbaren Küsten des Schwarzmeeres (in: Bulgarien, Rumänien, der UdSSR) .
Protzkeule Der Berliner Fernsehturm.
Rentnerbrigade Nicht mehr berufstätige, aber handwerklich geschickte DDR-Bürger, die kleinere Reparaturen in Wohnungen ausführten.
Rostquietsch Spöttisch für den PKW: Moskwitsch aus der Sowjetunion.
Rotlichtbestrahlung Spöttisch für Parteipropaganda auf Gewerkschafts- oder Parteiversammlungen.
sozialistische Warteeinheit Schlange stehen
Spitzbart Spöttisch für den Bärtchenträger Walter Ulbricht.
Sudel-Ede Spöttisch für Karl-Eduard von Schnitzler, den Chef-Kommentator der stramm-sozialistischen Sendung: "Schwarzer Kanal".
Tal der Ahnungslosen Tal der Ahnungslosen: Gegenden in der DDR, in denen kein Westfernsehen zu empfangen war. Diese Bezirke hatten die höchsten Ausreisezahlen (z. B. der Raum Dresden).
Trabbi

auch:

Hutschachtel,
Karton de Blamage,
Kugelporsche,
mechanische Gehhilfe,
Pappe,
Rennpappe,
Rundgelutschter ...
Der Trabant.
Umrubeln Geld tauschen, ummünzen.
Uwubu Ulbrichts Wucherbude. Spöttisch für Geschäfte, in denen man Westprodukte nur zu sehr hohen Preisen kaufen konnte.
Westler Westler, so nannten die DDR-Bürger die BRD-Bürger vor der Wende.
Westen gucken Westen gucken: Westfernsehen schauen.
Wupke Walter Ulbricht's Prestigekeule. Der Berliner Fernsehturm.
Zonenfeile
Ostdt. Motorrad.
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