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 Unworte des Jahres (Deutschland)


Die aufgeführten Unworte des Jahres (oftmals Versuche für verschleiernde, beschönigende Umschreibungen = Euphemismen) sind nur die Spitze des Eisberges. Jedes Jahr tritt eine große Anzahl von herablassenden, ignoranten, situations- und menschenverachtenden, die eigentlichen Absichten verschleiernden Vokabeln vor allem aus der neoliberalen Ecke (Wirtschaft und Politik) - unterstützt aber auch aus vielen Medien (Zeitungen, Zeitschriften, TV ...) auf den Plan.

Entsprechend ausgerichtete Vereinigungen (etwa der extremen Rechten) und/oder einfach nur ausgemachte Dummbeutel tragen kräftig ihr Teil zur ausufernden 'Kultur' dieser speziellen 'Begriffsneuschöpfungen' im Umfeld des jetzt aufblühenden Neoliberalismus bei.

So manches Mal können wir allerdings die sogenannten 'Worte des Jahres' nicht von den 'Unworten' unterscheiden. Einige der Begriffe dort, sind für uns ähnlich zynisch, voller Ignoranz oder schlicht ungeschickte *Euphemismen.

2013 'Sozialtourismus'
Mit dem unseligen Begriff 'Sozialtourismus' wird die wirtschaftliche Not der Menschen, die oftmals aus ärmeren östlichen Ländern (Bulgarien, Rumänien ...) stammen, in einen sie verhohnepipelnden Begriff verpackt, der zur politischen Stimmungsmache gegen sie verwandt wird. Gerade so, als ob diese Menschen ihre Heimat, ihren Kulturkreis mutwillig verlassen würden, nur um in Deutschland ein Leben in Saus und Braus als 'Sozialschmarotzer' zu führen.
2012 'Opfer-Abo'
2011 'Döner-Morde'
2010 'alternativlos'
Der Begriff 'alternativlos' vereinfacht das Regieren doch ungemein ...
Dabei ist es doch vollkommen klar, dass Entscheidungen immer auch Alternativen haben.
2009 'betriebsratsverseucht'

'Betriebsratsverseucht' - pfui Teufel ...
2008 'Notleidende Banken'
Banken, die in ihrer grenzenlosen Gier nach immer mehr Profit die Weltwirtschaftskrise mit verschärft haben, stellen sich mit dem Begriff 'Notleidende Banken' nun als Opfer ihrer eigenen Machenschaften dar und lassen sich ihre Verluste von den Steuerzahlern alimentieren.

Getreu dem Grundsatz: 'Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren'!
2007 'Herdprämie'
'Herdprämie' machte übrigens in 2007 schon den 2. Platz beim Wort des Jahres.

Dieses Kompositum (Zusammensetzung) bezeichnet etwas ironisierend auf alte Zeiten verweisend (wohl weil es in aller Regel doch wieder die Frauen sind, die für die Kindererziehung zu Hause bleiben werden), das in der Diskussion befindliche Kinder-Betreuungsgeld für den Elternteil, der nicht arbeiten geht und stattdessen zu Hause bleibt und die Kinder erzieht.
2006 'Freiwillige Ausreise'
Zurecht (*wie wir von wispor.de finden) ist der neu aufgetauchte Begriff 'Freiwillige Ausreise' zum Unwort des Jahres (2006) gekürt worden!

Auch bei diesem Begriff wird wieder einmal mit einem *Euphemismus ein Vorgang, bzw. besser hier eine Maßnahme umschrieben, die zynischer und menschen- und situationsverachtender kaum noch schlimmer präsentiert werden kann.

Der Hintergrund ist:
Abgelehnten Asylbewerbern wird die 'freiwillige' Rückkehr in ihr jeweiliges Heimatland 'nahegelegt'. Tatsächlich lässt die entsprechende dt. Behörde aber gar keine freie Wahl, sondern zwingt die Betroffenen in (fast) jedem Fall zur Ausreise.
2005 'Entlassungsproduktivität'
'Entlassungsproduktivität' = (erwirtschafteter 'Gewinn' eines Unternehmens, der sich auch aus der Tatsache ableitet, dass Mitarbeiter in großem Stil entlassen werden).
2004 'Humankapital'
Der Begriff 'Humankapital' reduziert nicht nur Arbeitskräfte, sondern setzt Menschen allgemein auf einen ökonomisch Begriff herab. Durch diese Entmenschlichung wird es für die Wirtschaft, die Politik etc. wieder ein Stück leichter, mit den Bürgern 'umzugehen'. Schließlich hat man es so nur mit einer statistischen Größe, einem abstrakten Begriff und nicht mit Menschen zu tun!
2003 'Tätervolk'
Der 'Urheber' des Begriffs 'Tätervolk' ist der Ex-CDU-Abgeordnete Martin Hohmann.

Der Begriff 'Tätervolk' ist nach Meinung der Fachjury deshalb schon "grundsätzlich verwerflich", da er (ohne Unterschiede) ein ganzes Volk für Taten einer kleinen Gruppe verantwortlich macht.

Besondere Brisanz erhält der Begriff, da er von Hohmann (pauschal) mit "den Juden" in Verbindung gebracht wurde.
Daraus leitete die Unwort-des-Jahres-Jury ab, dass der Begriff auch ein "Beleg für den immer noch wirkenden Antisemitismus" sei.

*Den Begriff 'Tätervolk' hatte der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (CDU) in einer Rede zum Tag der dt. Einheit (03. Okt. 2003) verwandt.
2002 'Ich-AG'
Der Begriff 'Ich-AG' stammt aus dem "Hartz-Papier" (Bericht der von Peter Hartz geleiteten Kommission "Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Reform der Bundesanstalt für Arbeit.).

'Ich-AGs' sollen Arbeitslosen den Start in die Selbstständigkeit erleichtern.
Der Begriff 'Ich-AG' ist (laut den Experten der "Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres" u. a. deshalb lächerlich, weil eine einzelne Person keine Aktiengesellschaft sein kann.
Persönlicher Kommentar:
Außerdem wird hiermit der (oftmals mit hohem persönlichem Risiko verbundene) Versuch von Betroffenen, sich mit einer Selbständigkeit (hier: der 'ICH-AG') wieder aus der Arbeitslosigkeit heraus zu bringen, auf einen Börsenbegriff reduziert.

Auch, da von den 600 Euro monatlichem Zuschuss der Ich-AG (des 1. Jahres) gleich (bis zu) 480 Euro (pro Monat!) für: Krankenkasse und weitere solidare Einrichtungen (Rentenversicherung ...) direkt abgezogen werden, kann von einer echten "Chance" für den Aufbau einer selbständigen Tätigkeit nicht ernsthaft gesprochen werden!
Hiermit wird in aller Regel nur der sogenannte 'Mitnahme-Effekt' von denjenigen provoziert, die besser gestellt (etwa durch nur eine sehr kurze Dauer der vorhergehenden Arbeitslosigkeit) in die Selbständigkeit gehen.
2001 'Gotteskrieger'
Als 'Gotteskrieger' bezeichnen sich auch die fundamentalistischen Islamisten, die Terror-Anschläge verüben.
2000 'National befreite Zone':
'National befreite Zone':

Parole der Rechtsextremen - besonders in Brandenburg und Sachsen.
1999 'Kollateralschaden':
'Kollateralschaden':

Eine verharmlosende Umschreibung für das Töten von Zivilpersonen als "unvermeidlicher Nebeneffekt" bei Kriegshandlungen.

Entnommen der offiziellen NATO-Berichterstattung!
1998 'Sozialverträgliches Frühableben'
'Sozialverträgliches Frühableben':

Ausspruch von: Karsten Vilmar (Präsident der Bundesärztekammer).
Es war sicherlich ironisch-sarkastisch gemeint, aber ...
1997 'Wohlstandsmüll'
'Wohlstandsmüll':

Abwertende Umschreibung für arbeitsunwillige und aber auch arbeitsunfähige Bürger.
Aussspruch von: Helmut Maucher.
1996 'Rentnerschwemme':
'Rentnerschwemme':

Ein unpassendes, falsche Assoziationen weckendes Bild für einen sozialpolitischen Vorgang.
1995 'Diätenanpassung':
'Diätenanpassung':

Beschönigung für die Diätenerhöhung im Bundestag.
1994 'Peanuts'
'Peanuts':

Banker-Jargon. Im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten, die der Immobilien-König Schneider verursacht hat, geäußert von: Hilmar Kopper (Vorstandssprecher der Dt. Bank).
1993 'Überfremdung':
'Überfremdung':

Scheinargument gegen den Zuzug von Ausländern.
1992 'Ethnische Säuberung':
'Ethnische Säuberung':

Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien.
1991 'Ausländerfrei'
'Ausländerfrei':

Fremdenfeindliche Parole aus Hoyerswerda (Sachsen).
Ganz offensichtlich zynischst angelehnt an den NS-Begriff: 'Judenfrei'.

Weitere Unworte des Jahres sind:



(2008)

(2007) (2006)
1. 'Freiwillige Ausreise' (Erläuterung siehe oben!)
Konsumopfer (für "Hungermodels") und Neiddebatte (um Managermillionenbezüge zu rechtfertigen).

(2005)
1. Entlassungsproduktivität (Erläuterung siehe oben!)
Ehrenmord: (inakzeptable Berufung auf eine archaische "Familienehre" zur Rechtfertigung der Ermordung eines meist weiblichen Familienmitglieds).
Bombenholocaust: (widerliche Umschreibung der Zerstörung Dresdens, womit der millionenfache Mord im eigentlichen Holocaust heruntergespielt werden soll).
Langlebigkeitsrisiko: (unsensibler Fachterminus für das Versicherungsrisiko, das dadurch entsteht, dass Versicherte länger leben als kalkuliert (vgl. auch „Todesfallbonus“).

(2004)
1. Humankapital (Erläuterung siehe oben!)
2. Merkwürdigerweise kam nicht der Begriff 'Ein-Euro-Job' wenigsten auf Platz 2, sondern stattdessen: 'Begrüßungszentrum': (den Begriff prägte: xxx. Gemeint sind damit die noch zu schaffenden Auffanglager für afrikanische Flüchtlinge).
3. 'Luftverschmutzungsrechte' schaffte es auf Platz 3. Diese 'ökologische Unding', trägt dazu bei, Schäden aus Treibhausgasemissionen klein zu reden, da jetzt mit ihnen (rechtlich abgesichert) regelrechter Handel getrieben werden darf.

(2003)
1. Tätervolk (Erläuterung siehe oben!)
2. 'Angebotsoptimierung' (Streckenstillegungen der Bahn ...).
3. 'Abweichler' (zur Diskriminierung von denjenigen Bundestagsabgeordneten, die ihr Gewissen über Fraktions- oder Koalitionszwänge stellen).

(2002)
1. 'Ich-AG' (Erläuterung siehe oben!)
2. 'Ausreisezentrum' als *Euphemismus für Sammellager von abgewiesenen Asylbewerbern.
3. 'Zellhaufen' für einen menschlichen Embryo ...

(2001)
Gotteskrieger (Erläuterung siehe oben!)

(2000)
'National befreite Zone', überkapazitäre Mitarbeiter (Mitarbeiter = eine rein betriebswirtschaftliche Größe); Separatorenfleisch (Schlachtabfälle, die unter BSE-Verdacht stehen); Dreck weg ((CDU-Parole aus Darmstadt), die sich auch gegen unerwünschte Mitbürger (Ausländer, Asylanten ...) richtet) ...

(1999)
Kollateralschaden ...

(1998)
'Sozialverträgliches Frühableben'; Belegschaftsaltlasten (Mitarbeiter (meist ältere), die eine Firma gerne loswerden möchte); Humankapital (Kinder!); Moralkeule ...

(1997)
Wohlstandmüll; Organspende (unschöne Verwendung des Begriffs Spende); Blockadepolitik; neue Beelterung (recht bürokratische Umschreibung für neue Erziehungsberechtigte, die an die Stelle der leiblichen Eltern treten sollen) ...

(1996)
Rentnerschwemme; Flexibilisierung; Outsourcing (Auslagerung, Vernichtung von Arbeitsplätzen (vor allem im Inland)); Umbau des Sozialstaates; Gesundheitsreform; Sozialhygiene (erinnert das nicht an Wortschöpfungen wie: Rassenhygiene?!) ...

(1995)
Diätenanpassung; Altenplage (die ältere Generation); biologischer Abbau (zynische Bezeichnung für das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben); sozialverträglicher Stellen- oder Arbeitsplatzabbau (Umschreibung für Entlassung); abfackeln (für das Verbrennen von Sachen und Menschen) ...

(1994)
Peanuts; Besserverdienende (unklare Definition für eine Gruppe, die vom Staat noch besser zur Kasse gebeten werden soll); Dunkeldeutschland (die neuen Bundesländer); Buschzulage (Gehaltszulage für sogenannte "Aufbauhelfer" in den neuen Bundesländern); Freisetzung (Entlassung) ...

(1993)
Überfremdung; 'kollektiver Freizeitpark' (Ausspruch von: Helmut Kohl); Sozialleichen (Verstorbene, die aus großer Verelendung stammen); schlanke Produktion (Unternehmensstrategien, die ganz bewußt Arbeitsplatzvernichtung in Kauf nehmen); Selektionsrest (schwerstbehinderte Kinder, die nicht in "Normalklassen" untergebracht werden können) ...

(1992)
'Ethnische Säuberung'; weiche Ziele (Militär-Umschreibung für Menschen!); auf-/abklatschen (körperliche Angriffe auf Ausländer); aufenthaltsbeendende Maßnahmen (Abschiebungen des sogenannten Asylkompromißes); Beileidstourismus (im Zusammenhang mit den Morden in Mölln (Schleswig-Holstein)) ...

(1991)
Ausländerfrei; durchrasste Gesellschaft (Edmund Stoiber (CSU!)); intelligente Waffensysteme (Golfkriegberichterstattung); Personalentsorgung (=Entlassungen); Warteschleife (=Zeit mit großer sozialer Unsicherheit für Arbeitskräfte (gerade) in den neuen Bundesländern) ...






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