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  'Einem nicht das Wasser reichen können.':
Gemeint ist heute damit:

Weit unter jemand stehen; weit weniger "wert" sein, als jemand anders ...

Der Ursprung dieser Redewendung ist wohl in sehr frühen Zeiten zu suchen. Damals wurden die Mahlzeiten noch mit den Fingern eingenommen. Man aß sogar meist gemeinsam aus einem Topf.

Für ein Mindestmaß an Hygiene und Ästhetik sorgte (zumindest im Mittelalter bei Hofe) die Sitte des Händereinigens vor dem Beginn der Mahlzeit. Dafür gab es mitunter eigene Bedienstete. Sie reichten den Gästen Wasser.
Wenn also früher jemand es nicht einmal "wert" war (bzw. er nicht dazu in der Lage war), das Wasser zu reichen, dann taugte er zu gar nichts, war wertlos.

Schon in der Bibel gibt es Belegstellen für den Brauch des Wasserreichens, so z. B.:

(A. T.): 2 Kön, 03,11


»... Da antwortet einer von den Leuten des Königs von Israel also: 'Es ist hier Elischa, der Sohn Schaphats, der dem Elija Wasser über die Hände gegossen hat' ...«



Weitere Bibel-Zitate bei den 'Ollen Kamellen':
Gift und Galle| Hiobsbotschaft| An die Nieren gehen| Zur Salzsäule werden| Wasser reichen


Liste weiterer: Bibel-Sprüche.


Anbei noch ein paar Benimm-Regeln bei Tisch von anno dazumal:

(Hans Sachs (Meistersinger, Dichter) *1494 †1576)


'Ein Tischzuch' (* Eine Tischzucht *)

»Hör, Mensch! wenn du zu Tisch willt gahn,
Dein Händ sollt du gewaschen han.
Lang Nägel ziemen gar nit wohl,
...
Nach dem iß züchtiglichermaß!
Nit schnaude oder säuisch schmatz!
Nit ungestüm nach dem Brot platz,
Daß du kein Gschirr umstoßen tust!
Das Brot schneid nit an deiner Brust!
...
Und brock nit mit den Zähnen ein
Und greif auch für dein Ort allein!
Tu nicht in der Schüssel umstührn!
...
Sei in der Schüssel nit gefräßig,
...
Und käue mit verschlossem Mund!
...
Und wisch den Mund, eh du willt trinken,
Daß du nit schmalzig machst den Wein!
Trink sittlich und nit hust darein!
Tu auch nit grölzen oder kreisten!
...
Ruck nit hin und her auf der Bank,
daß du nit machest ein Gestank!
...
Nach dem sollt du vom Tisch aufstehn,
Dein Händ waschen und wieder gehn
An dein Gewerb und Arbeit schwer.
So sprichet Hans Sachs, Schumacher.«

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Siehe auch: Gedichte: H. Sachs: Schlaraffenland.



  Wolkenkuckucksheim:
Heute hat dieser Begriff die Bedeutung: Fantasiegebilde oder Utopie.

In seinem Werk: "Die Vögel" bezeichnet Aristophanes mit Wolkenkuckucksheim eine von Vögeln in die Luft gebaute Stadt.
  'Über die Wupper gehen':
Der Todestrakt eines Wuppertaler Gefängnisses war nur über eine Brücke erreichbar, die über den Fluss Wupper führte.
Wurde ein Verurteilter zur Hinrichtung geführt, musste er "über die Wupper gehen".


Siehe auch: Redewendungen: 'Über den Jordan gehen.'.
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