SPRACHE  
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  'Nur Bahnhof verstehen'
Meint heute:
Nichts von dem Gesagten oder von Erläuterungen verstehen.

Ursprung:
Die kriegsmüden dt. Soldaten des WK I haben oftmals Gespräche mit Kameraden, die sich nicht um die Heimfahrt (Urlaub ...) drehten, mit diesem Hinweis ('Ich verstehe nur Bahnhof' = (Ich will das nicht hören)) abgebrochen.

(Der Bahnhof ist hier mit der Rückkehr nach Hause gleichzusetzen).
  '(Einen) Bammel (vor etwas) haben':
Heute:
Angst haben ...

Ist wahrscheinlich abgeleitet von 'baumeln', speziell wohl vom Baumeln Gehenkter (was einem Betrachter ja sicherlich Angst einflößen kann).
  'Ein Banause sein:'
Meint:
Jemand, der kein Kunstverständnis hat; der sich schlecht und flegelhaft benimmt ...

Banause stammt aus dem Griechischen und bezeichnete dort einen Handwerker ... der Antike, der seine Arbeit ohne den Einsatz von Sklaven bewältigte.
Der also deshalb keine Zeit hatte für: schöngeistige Dinge (Philosophie, Kunst ...) und sich folglich damit auch nicht auskannte.
  'Auf die lange Bank schieben:'
Meint:
Etwas aufschieben, hinauszögern ...

Eine mögliche Erklärung ist aus der röm. Rechtspraxis abzuleiten:

Dort wurden nämlich die Akten (Fälle) in Truhen aufbewahrt, die bankähnlich waren.


Auch möglich ist der Bezug zum Sachsenspiegel.

Sachsenspiegel
(Buch 2, Paragraph XII, 13):


»Stende sal man orteil schelden, sitzende sal manz vinden, undir koninges banne, ein itlich uf sime stole. Der abir zu den benken nicht geboren iz, der sal des stoles beten mit orteilen, ein ander orteil zu vindene. So sal iener den stol rumen, der daz erste orteil vant.«
Freie Übersetzung (verkürzt):

Stehend soll das Urteil verkündet werden.
Sitzend aber soll die Beratung darüber erfolgen (unter dem Schutz des Königs).


Erläuterungen:

Auf den benken (Bänken) saßen dabei die Hilfsrichter (Schöffen). Deren Sitz auf der Schöffenbank war (gekoppelt an das Grundeigentum) erblich.

In jedem Fall sollte es zu einer schnellen Urteilsfindung kommen. Die Schöffen sollten wohl 'nicht zu lange auf der Bank sitzen' müssen.



Siehe auch weitere Bezüge zum Sachsenspiegel:

'Auf die lange Bank' | ' ...guten Dinge sind 3' | 'Fersengeld' |
'nach Jahr und Tag' | ' ...der mahlt zuerst' |   'Stadtluft macht frei'
  'Über den Löffel barbieren':
Auch: balbieren.

Heute:
Jemanden übervorteilen, ihn unsanft behandeln ...

In früheren Zeiten war es wörtlich gemeint:
Dabei wurde - um eine gründliche Rasur zu ermöglichen - alten, zahnlosen Männer mit eingefallenene Wangen kurzerhand vom Barbier (Friseur ...) ein Löffel in den Mund geschoben.
Dadurch war die nötige Wölbung und Spannung auf der Wange und derjenige konnte einfacher rasiert (barbiert, balbiert) werden.
  'Jemandem einen Bären aufbinden':
Heute:
Jemandem etwas vormachen, ihn irreführen ...

Möglicherweise ist Bär hier eine (versehentliche) Übertragung des mittelhochd. Begriffes: 'bar, bär' = Last, Bürde, Balken. So hieß z. B. ein (eisernes) Fallgewicht an Schmiedehämmern und -rammen auch: 'Bär'.
  'Jemandem einen Bärendienst erweisen':
Bedeutung:
In der Absicht jemanden etwas Gutes zu tun, ihm stattdessen einen Schaden zufügen.

Ursprung:
Möglicherweise die Fabel: "Der Bär und der Gartenfreund" (xxxx) des franz. Fabeldichters Jean La Fontaine (*1621 †1695).
In dieser Fabel will ein Bär eine Fliege von dem Gesicht eines Gartenfreundes verscheuchen, trifft ihn dabei unglücklich und tötet ihn.

Die Quintessenz dieser Fabel ist nach La Fontaine:

"Nichts bringt so viel Gefahr uns als ein dummer Freund; Weit besser ist ein kluger Feind."


 Literatur zum Thema: 

"Sämtliche Fabeln"
(Jean de la Fontaine)
Patmos-Verlag, 2002, ISBN: 3-491-96100-9

* Besonders schön sind darin die Illustrationen (Stiche) vom Meister der satirischen Bilder: Grandville (Karikaturist: Jean Ignace Isidore Gerard (*1803 †1847)).


Siehe auch: Fabeln.
  'Ein großer Batzen ...'
Heute:
Eine große Menge von etwas (mitunter wertvoll).


Siehe auch: Olle Kamellen?: Batzen.
  'In Bausch und Bogen:'
Meint heute:
Im Ganzen, ohne große Differenzierungen, ohne Einzelbewertungen ...

Grundstücke wurden früher in 'Bausch und Bogen' verkauft.

Grundstücke sind und waren ja nicht immer rechteckig und daher leicht berechen- und bewertbar.
Eine Einbuchtung ist dabei ein 'Bogen' und eine Ausbuchtung ein 'Bausch'.

'Bausch' findet sich heute noch in 'aufbauschen' = etwas überzogen darstellen, es unnötig vergrößern.

  'In die Binsen gehen':
Heute:
Etwas verschwindet, etwas geht in die Brüche ...

Ursprünglich kommt dieser Begriff aus der Jägersprache.

016b.jpg / Binsen? (c) wispor.de 05/2003

Wild rettete sich mitunter in die Binsensträucher (eine grasartige Sumpfpflanze) und war dort vor dem Jäger und den Hunden sicher.


Weitere Redewendungen, die mit der Jagd- und Forstwirtschaft zusammenhängen:

'Abklappern' 'In die Binsen gehen' 'Auf dem Holzweg sein'
'Durch die Lappen gehen' 'Auf den Leim gehen'
'Sich mausig machen' 'Kein Pappenstiel sein' 'Pechvogel'
  'Blauer Brief'
Heute:
Ein Mahnschreiben (Schule) oder Kündigungsschreiben (Beruf).

Die 'blauen Briefe' haben ihren Namen von den blauen Umschlägen (die vom preuß. Kabinett verschickt wurden) mit der Aufforderung z. B. an Offiziere der preußischen Armee, ihren Abschied zu nehmen.
  'Blauer Montag':
Der Begriff "Blauer Montag" kommt wohl von den Wollfärbern.

Dort wurde die blau zu färbende Wolle sonntags im Bad gelassen. Montags musste sie dann trocken und die Gesellen hatten deshalb montags nichts zu arbeiten.
  'Einen Bock schießen':
Meint:
Einen Fehler begehen, eine Dummheit machen ...

Der Ausdruck rührt wahrscheinlich von den Schützenbrüderschaften her:

Der schlechteste Schütze erhielt (zum Hohn, aber auch zum Trost) einen Schafsbock.
  Das Brandschatzen:
Heute verstehen wir unter dem Brandschatzen: das Verbrennen, das Verwüsten etwa einer Stadt, einer Region etc.

Ursprünglich bedeutete es aber eine Stadt zu erpressen und mit dem Inbrandsetzen zu drohen. Gleichzeitig wurde eine Art "Schutzgeld" verlangt.
Eine gebrandschatzte Stadt war also verschont worden, eben gegen Lösegeld!


Weitere Redewendungen und Begriffe aus dem Militärischen (besonders des Mittelalters):
'kein Aufhebens machen', 'Brandschatzen', 'Doppelsöldner', 'Heft aus der Hand nehmen', 'Eine Lanze für jemanden brechen', 'Spitz auf Knopf stehen', 'im Stich lassen'
  Bratkartoffelverhältnis:
Heute verstehen wir unter einem: Bratkartoffelverhältnis eine 'wilde Ehe' oder auch ein Liebesverhältnis, das nicht auf lange Dauer angelegt ist.

Entstanden ist der Begriff wohl im WK I, wo solche Beziehungen (vor allem) wegen der guten Verpflegung eingegangen wurden.


Siehe auch: Redewendungen:
Bratkartoffelverhältnis Josephsehe Onkelehe
  'Ein Brett vor dem Kopf haben'
Wenn man sagt, dass jemand: ein Brett vor'm Kopf hat, dann meint man damit, dass derjenige begriffsstutzig, einfältig, dumm ... ist.

Der Begriff stammt wohl aus der Viehwirtschaft. Störrischen Ochsen wurde zur Ruhigstellung ein Brett vor die Augen gehängt. Die Verbindung (dummer) 'Ochse' und 'Brett vor dem Kopf' lässt leicht die Übertragung auf einen dummen, engstirnigen Zeitgenossen nachvollziehen.

Allerdings gab es (im Mittelalter ...) auch Handwerker, die sich 'freiwillig' ein Brett vor den Kopf setzten. Dies waren z. B.: Steinmetze und Schmiede, die sich für bestimmte Arbeiten (bei denen besonders die Augen und das Gesicht gefährdet waren) mit einem Brett schützten, das nur schmale Sehschlitze hatte.
  'In die Brüche gehen':
Heute verstehen wir darunter:
Etwas, dass kaputtgeht, zerstört wird (auch im übertragenen Sinn).

1. Eine mögliche Erklärung für die Herkunft ist der Bezug zur Bruchrechnung:
Wenn Zahlen sich nicht glatt (nicht ohne Rest) teilen lassen, muss man für bestimmte Berechnungen eben Brüche heranziehen.

2. Möglicherweise war aber mit Bruch auch ein Sumpf oder Sumpfgebiet gemeint. Der Oderbruch ist ein Beispiel dafür. Allerdings bleibt dunkel, was derjenige dort dann hätte tun sollen ...

3. Eine weitere (nicht ganz 'stubenreine' und mehr spaßig gemeinte) Möglichkeit ist folgender Bezug:
Bruch (mittelhochd. 'Bruoch)', hießen auch kurze Hosen (des frühen? Mittelalters). An ihnen wurden die eigentlichen 'Beinlinge' festgemacht.

Denkbar ist auch die Verbindung zu: (engl.) breeches 'Kniehosen'.

Wir beschreiben natürlich nicht genauer, was dort in die Brüche oder breeches gehen konnte ...
  'Den Buckel runter rutschen':
"Den Buckel runter rutschen": Hat seinen Ursprung möglicherweise von der alten Bedeutung des Begriffes 'Buckel' = Schild.

Solch ein "Buckel" war ein kleiner (meist runder) Schild mit einer runden Verstärkung in der Mitte der Außenseite (ähnlich einem Knauf), daran sollten Schwert- oder Axthiebe etc. abgleiten und die Schlagwucht verteilt werden.

Die Bedeutung (Buckel = Abwehr-Schild) findet sich auch heute noch in anderen Sprachen:

Etwa im Englischen: 'buckler' = (kleiner Schild).


Im Französischen: 'bouclier' = (Schutz, Schild).
So ist z. B. ein 'bouclier thermique' eine Wärmeabschirmung, ein Hitzeschild.


Im Althochdeutschen fanden wir nichts.


Im Mittelhochdeutschen (es wurde ab etwa 1150 in unserer Region gesprochen) findet sich aber wieder:

'Buckel' (erhabener Metallbeschlag der Mitte eines Schildes) und: 'Buckaelre', 'buggeler' (Schild mit einem 'Buckel').


Im Lateinischen: 'bucca' = Backe, 'buccula' = aufgeblähte Backe (= buckelartig!?).


Auch das große Wörterbuch der Brüder Grimm kennt den Begriff 'BUCKELER', 'BUCKLER', Bd. 2, Sp. 486 ... ein schild, ein buckeler.


Die Übertragung der Begriffsbedeutung von Abwehr-Schild auf eine Rückenverformung (Buckel, Höcker) und auch den Rücken selbst, soll etwa im 15.  Jh. geschehen sein. Quellen sind dazu (hier) nicht bekannt.
  'Buxtehude, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen ...':
Heute verstehen wir darunter:
Einen rückständigen Ort, wo quasi alles (aus Dummheit) falsch gemacht wird.

Ursprünglich ist mit Hunde aber Hunte (Glocke) gemeint. Der "Schwanz" war also das (ausgefranste) Glockenseil.
Da in der engl. Sprache "to bell" = läuten meint, liegt möglicherweise auch eine fremdsprachliche Übertragung zugrunde (mit oder ohne Absicht!).

In Buxtehude (die eine der ältesten Kirchen [13. Jh.] Dtl. hat) wurde mit Glockenseil und Klöppel die Glocke geläutet. Was heute ebenfalls als Zeichen für Rückständigkeit verstanden wird.
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