SPRACHE  
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  Nagelprobe:
Die 'Nagelprobe' ist ein alter Trinkbrauch.

Dabei wurde das Glas etc. auf das Wohl von jemandem geleert, nach dem Austrinken umgedreht und dann über den Daumennagel gehalten.

Tropfte es dann nicht aus dem Glas auf den Nagel, hatte man alles richtig gemacht, eben gut ausgetrunken.

Bei Bechstein steht die dt. Sage:

'Der Stiefel voll Wein'

»Auf dem Steine, wo nun fortan dieser Rheingraf fröhlich hauste, ging es zum öftern gar hoch her.

Da saßen eines Abends die Wild- und Rheingrafen und eine große Schar Ritter von den Nachbarburgen im Saale beisammen und zechten *baß, und die Humpen kreisten. Da saßen Ritter von Sponheim, von Dhaun, von der Ebernburg, von Flörsheim, von Stromberg und tranken scharf und fest. Jetzt hob der Rheingraf einen mächtigen Reiterstiefel auf den Tisch und goß den voll Weines und rief: Wer diesen Humpen leert auf einen Zug, dem soll Hüffelsheim zu eigen sein mit Wonne und Weide und aller Zubehör!

Des verwunderten sich die Mannen und mocht sich's keiner vermessen, schien ihnen allen der Schluck doch zu groß, und selbst der Burgpfaff, der etwas zu leisten vermochte in guten Trünken, und mancher andere Wackere wagten sich nicht daran.

Da saß auch ein alter Zecher im Kreise, Ritter Boos von Waldeck, der sah die andern alle der Reihe nach an und wartete, ob einer den Stiefel leeren wolle, und da es keiner tat, da faßte er ihn in die Hand, und ließ den Wein rinnen in seinen Schlund, und trank ihn leer bis auf die Nagelprobe, und dann sagte er: Lieber Rheingraf, dein Hüffelsheim schmeckte gut, wie wär' es nun mit Waldbökelheim? Der Mensch kann doch nicht in einem Stiefel gehen?

Aber der Rheingraf wollte nicht noch einen Ort an eine Rittergurgel verlieren und schwieg stille.

Darnach ist das Sprüchwort aufgekommen: Der verträgt einen guten Stiefel


[Erläuterungen: *baß = sehr.]

Der Nagelproben-Brauch ist auch schon in Sebastian Brants 'Narrenschiff' (1494) beschrieben.


 Literatur zum Thema: 

"Das Narrenschiff"
(Sebastian Brant, 1494)
Reclam, Nr.: 0899

  'Der blanke Neid':
Heute: besonders neidisch sein.

Im Mittelalter stellten sich die Menschen vor, dass sich der Neid schämen müsse. Wenn er dann in den Spiegel schaute, war er blass (blank).

Dem Neid werden auch zwei Farben zugeordnet: Gelb und Grün.

Bei Ludwig Ganghofer steht in:

'Lebenslauf eines Optimisten'

» ... Viele Frauen wurden grün und gelb vor Neid ... «




Siehe auch: Nietnagel.
  'An die Nieren gehen':
Die heutige Bedeutung ist:
Etwas betrifft, berührt stark.

Die Nieren wurden (u. a.) im Mittelalter als Sitz der Gefühle und auch des Geschlechtstriebes angesehen. Ehebrechern wurde aus diesem Grund (zu besonders rabiaten Zeiten) mitunter eine Niere als Strafe herausgeschnitten.

Siehe auch: 'Es faustdick hinter den Ohren haben'.

Schon in der Bibel finden sich auch Stellen, die darauf hinweisen, dass die Nieren als Sitz der Gefühle, des Gemütes galten. So z. B.:

A. T., Psalm 7,10:


»... mache stark den Gerechten, gerechter Gott, der du erforschest Herz und Nieren.«
A. T., Psalm 26,2:


»Prüfe mich, HERR, und erprobe mich, erforsche meine Nieren und mein Herz!«
A. T., Jeremia 20,12:


»Und nun, HERR Zebaoth, der du die Gerechten prüfst, Nieren und Herz durchschaust ...«

Weitere Bibel-Zitate bei den 'Ollen Kamellen':
Gift und Galle| Hiobsbotschaft| An die Nieren gehen| Zur Salzsäule werden| Wasser reichen


Liste weiterer: Bibel-Sprüche.
  'Otto Normalverbraucher':
Dieser Ausdruck stammt aus dem Film: "Berliner Ballade" von 1948. Produzent war der beliebte Schauspieler Heinz Rühmann. Der Hauptdarsteller (Gert Fröbe) hieß dort:

'Otto Normalverbraucher'.
  '08/15':
Heute: Gewöhnlich, schon lange bekannt ...

08/15 lautete die Zusatz-Bezeichnung eines 1915 bei den dt. Truppen eingeführten leichten Maschinen-Gewehrs (LMG 08/15). Dieses MG war aus dem schweren Maschinen-Gewehr (MG 08) von 1908 entwickelt worden. Die Soldaten bezeichneten danach allgemein etwas, das sich als neu ausgab, aber im Grunde schon alt war, als '08/15'.

* Ein Nachfolgemodell des 'LMG 08/15' hieß noch 1937 bei der 'dt. Wehrmacht' 'LMG 08/18'.

Ein militär-kritischer Roman mit demselben Titel (08/15) stammt von Helmut Kirst. Der Roman ist auch verfilmt worden.


Siehe auch: Begriffe: Reichswehr Wehrmacht
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