SPRACHE  
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  "Da beißt keine Maus einen Faden ab.":
Die Redewendung bedeutet: Daran ist nicht zu rütteln. Die Sache steht unabänderlich fest.

Wahrscheinlich rührt die Redewendung von der Aesop-Fabel: "Der Löwe und das Mäuschen" her.

Siehe auch: Fabeln

Eine weitere Möglichkeit ist, dass dieser Ausspruch früher als Schneider-Floskel erklärt, dass von geliefertem Stoff nichts unterschlagen wird, die "Schneider"-Maus eben keinen Faden abbeißt.
  'Wie ein roter Faden':
'Roter Faden' bedeutet hier: Leitgedanke, Leitfaden ...

Ursprung:

Seit 1776 werden alle Seile (brit. Schiffe) mit einem roten Faden durchflochten, um diese Seile etc., als Eigentum der 'Königlich Brit. Marine' zu kennzeichnen.

Der Begriff: 'roter Faden' wurde von J.W. von Goethe geschaffen und das erste Mal in seinen 'Wahlverwandtschaften' genutzt. Dort erklärt er auch die Herkunft.

Goethe: 'Wahlverwandtschaften' (1809)
(2. Teil, Kapitel 2):


»Wir hören von einer besonderen Einrichtung bei der englischen Marine.
Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, daß ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswirken kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, daß sie der Krone gehören.«


»Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet.«


Goethe: 'Wahlverwandtschaften' (1809)
(2. Teil, Kapitel 4):


»Manches Eigene von innigstem Bezug wird an dem roten Faden wohl zu erkennen sein.«

  'Den Faden verlieren':
Die Redewendung bedeutet: vergessen haben, wie es weitergeht (z. B. in einer Rede ...)

Der Ursprung findet sich in der griechischen Mythologie:

'Der Faden der Ariadne'.
  "Es faustdick hinter den Ohren haben":
Diese Wendung meint, dass jemand harmlos tut, aber in Wahrheit raffiniert ist.

Desgleichen: "Den Schalk im Nacken haben".

In früheren Zeiten hat man einzelnen Organen und Körperregionen Gemütsregungen, Gefühle, Fähigkeiten etc. zugeordnet.

So galten etwa die Nieren als Sitz des Geschlechtstriebes.
Daher: 'An die Nieren gehen'.

Die Wülste hinter den Ohren galten als der Sitz der Verschlagenheit. Je größer also die Wülste waren, desto größer die Verschlagenheit.
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  "Kein Federlesen machen.":
Heute: keine Umstände machen, brutal durchgreifen ...

Früher war Federlesen: Ein kriecherisches Einschmeicheln durch das Entfernen von angeflogenen Federn von der Kleidung wichtiger Personen.
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  "Fersengeld geben":
Damals wie heute: "Die Flucht ergreifen."

Bei den Germanen war das Fersengeld ein Strafgeld (Bargeld), das ein Deserteur zu zahlen hatte.

Der Begriff (Fersengeld) ist schon seit dem 13. Jh. in der sogenannten Rechtssprache verankert.

Bei den Wenden (ein Volksstamm; Sammelbez. für: in Mittel-, Ost-Dtl. und Ostalpenländern ansässige Slawen) durften Ehefrauen ihre Ehemänner jederzeit verstoßen, dazu mussten sie nur ihrem Herrn 3 Schilling (oder etwas mehr, "je nach Landesgewohnheit ...") "Fersengeld" geben.

Ob es auch umgekehrt ging (dass sich auch die Männer loskaufen konnten), ist hier (bei wispor.de) nicht klar.

Schon im Sachsenspiegel (dem ältesten dt. Rechtsbuch von ca. 1220) ist von dem "versen phennige" oder "versnegelt" die Rede:

 

    Aus einer Bilderhandschrift zum Sachsenspiegel:
Ganz links sitzt ein Fürst (er ist offensichtlich dabei, Recht zu sprechen).
Die 2. Person von links (mit quer-gestreifter Kleidung) hält ein Schwert (ein "Sachs") in der Hand; ist also ein Sachse.

Sachsenspiegel (Mittelhochdeutsch)
(Buch 3, Paragraph LXXIII, 3):


»Man saget, daz (alle) Wendinnen vri sin, durch daz ire kindere nach deme wendischen vater horen, des en iz doch nicht. Wenne se geben ire *burneite deme herren also dicke, alse se man nemen. Lazen se ouch (iren man), alse wendisch recht iz, so muzen se irme herren de **versnegelt geben, daz sint dri schillinge unde etswa me nach des landes wonheit.«


*Heiratszins **Fersengeld

Das Fersengeld (für den Loskauf aus einer Ehe) hat aber möglicherweise nichts mit der Ferse (am Fuß) zu tun. Es könnte auch eine Färse = junge Kuh gemeint sein.
D. h., dass das Bußgeld mit Vieh (einer Färse), bzw. dem Gegenwert dafür, zu bezahlen war.


 Literatur zum Thema: 

"Sachsenspiegel",
Reclam 3355


Siehe auch weitere Bezüge zum Sachsenspiegel:

'Auf die lange Bank' | ' ...guten Dinge sind 3' | 'Fersengeld' |
'nach Jahr und Tag' | ' ...der mahlt zuerst' |   'Stadtluft macht frei'
  "Etwas aus dem FF beherrschen.":
Etwas mit großer Erfahrung, Routine beherrschen.

Der Ursprung war nicht klar festzustellen. Es gibt aber verschiedene Erklärungsversuche:

1. f = feine Ware, ff = feinere Waren, fff = feinste Ware (aus der Manufaktursprache).

2. ff = Pandekten (= Digesten, alte auf röm. Recht beruhende Schriften, Juristensprache). Diejenigen Juristen, die die Pandekten bzw. das ff häufig zitierten, galten als besonders rechtskundig.

3. ff = das Anschwellen von Tönen in der Musik. Danach wäre die Töne (mit ff), diejenigen, die am Stärksten hervortreten, also besonders wichtig sind.

4. Beamte (der ital. Städte) sollen in früheren Zeiten ein f (fiat = "es geschehe"), unter diejenigen Bittschriften gesetzt haben, die sie für zustimmungsfähig hielten. Ein ff (fiat, fiat) bedeutete dann = "bewilligt und sofort auszuführen".
  Frankenstein:
Der berühmteste Roman von Mary Shelley heißt:
"Frankenstein, oder der moderne Prometheus".

Der Name des Monster-Schöpfers ist Frankenstein. Das Geschöpf hat keinen Namen, es wird nur Monster genannt.

Der Stoff wurde oft verfilmt. Der beste Darsteller des Monsters ist meiner Meinung (wispor.de: A.R.S.) nach: Boris Karloff.
  'Sich frank und frei äußern.':
Heutige Bedeutung: etwas geradeheraus sagen; sich ohne falsche Scham, Rücksichtnahme äußern ...

Frank geht auf die franz. Bezeichnung "franc" für fränkisch = Franke zurück.
Die Franken galten als Eroberer und freie Menschen.
  »Friede den Hütten, Krieg den Palästen!«:
Georg Büchner & Friedrich Ludwig Weidig.

Der Einleitungssatz stand in der sozial-revolutionären Flugschrift: "Der Hessische Landbote" (1834).

Die Verteilung war vor allem für die Bauern im erz-reaktionären Großherzogtum Hessen vorgesehen.

Damit sollte der krasse Gegensatz zw. dem Reichtum der Besitzenden und dem armseligen Leben der Bauern deutlich gemacht werden.
  »Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben,
  wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.«:
Zitat nach Schillers: Wilhelm Tell 4,3.
  "Frosch im Hals":
Der Ausdruck: 'Einen Frosch im Hals haben' ist abgeleitet von dem medizinischen Ausdruck: Ranula = Zyste neben dem Zungenbändchen (unter der Zunge).

Der Begriff Ranula ist ein Diminutiv (eine sprachliche Verkleinerungs, -Verniedlichungsform) vom Lat.: Rana = Frosch, Ranula = Fröschlein. Fröschlein wird diese Zyste wohl wegen ihrer Form genannt.

Der Begriff hatte also ursprünglich mit dem Hals nichts zu schaffen!
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