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Quacksalber
auch: Medicaster, Afterarzt.
Der sehr gute und erfolgreiche Wund- und Augenarzt: Dr. Johannes Andreas Eisenbarth (Eysenbarth) (*27.Mär.1663 †11. Nov. 1727) wurde in Oberviechtach geboren.

Eisenbarth hat aber derartig marktschreierisch (meist unterstützt von einem Trupp Gauklern etc.) seine Künste angepriesen, dass er (zu unrecht!) als Urtypus des Quacksalbers gilt.

Sein "Balsamischer Haupt-, Augen- und Gedächtnisspiritus", ein Wunder-Tonikum gegen: Augenleiden, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindelgefühle etc., war ein richtiger Verkaufsschlager und kostete nur 12 *Groschen pro *Lot(h) ...

Eisenbarth ist am Ende seines Wanderlebens in Hann. Münden (damals: Hannoversch Münden) gestorben. Dort werden alljährlich Eisenbarth-Festspiele aufgeführt.

Ihm wurde sogar ein Volkslied 'gewidmet'.

Dr. Eisenbarth (*27.Mär.1663 †11. Nov. 1727)


 'Ich bin der Doktor Eisenbarth!' 

»Ich bin der Doktor Eisenbarth,
kurier die Leut' nach meiner Art.
Kann machen, daß die Blinden gehn,
und daß die Lahmen wieder sehn.

Zu Köln kuriert' ich einen Mann,
daß ihm das Blut in Strömen rann:
Er wollt' immun vor Pocken sein,
ich impft's ihm mit dem Bratspieß ein.

Des Pfarrers Sohn in Donauulm,
dem gab ich ein Pfund Opium;
Er schlief darauf die Tag und Nacht
und ist bis jetzt nicht aufgewacht.

Es hatt' ein Mann in Langensalz
'nen zentnerschweren Kropf am Hals;
Den schnürt' ich mit dem Heuseil zu
was denkst du wohl, der hat jetzt Ruh!

Zu Ems da nahm ich einem Weib
zehn *Fuder Steine aus dem Leib;
Der letzte war ihr Leichenstein:
Sie wird jetzt wohl zufrieden sein.

Das ist die Art wie ich kurier,
sie ist *probat, ich bürg dafür;
Daß jedes Mittel Wirkung tut,
schwör ich bei meinem Doktorhut.«

Siehe auch: Redewendungen: 'Quacksalber'.
Christian Schubart (*1739):


 'An Wind' 

»Wind, der viele Kunden hat,
Schreiet sich vor Eifer matt:
Schafft Quacksalber aus der Stadt!
Die die Chirurgie,
Physiologie,
Und Anatomie,
Nicht, wie ich, verstehen!«
O! es könnte wohl geschehen.
Aber sagen Sie, Herr Wind!
Weil Sie so im Eifer sind,
Möchten Sie so gütig sein
Ei! wie kamen Sie herein?«
Quartier geben:
In einem Gefecht soviel wie: Pardon geben, Gnade zeigen.

Der Ausdruck ist wahrscheinlich auf eine Sitte des 16. Jh. (Zeit der Condottieri = Anführer von Söldnerbanden) zurückzuführen.
Damals wurde für einen gefangenen Reiter ein Viertel (quartier) des Jahressoldes als Lösegeld gezahlt.
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