SPRACHE  
  Olle Kamellen?
  (Herkunft & Bedeutung von Begriffen)
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Sachsenjahr
auch: Jahr und Tag.
Ursprünglich (im Mittelalter und der frühen Neuzeit) war diese Formel auf die konkrete Dauer:
1 Jahr, 6 Wochen und 3 Tage bezogen (diese Frist wurde auch mit dem Begriff: "Jahr und Tag" bezeichnet).



Siehe auch weitere Bezüge zum Sachsenspiegel:

'Auf die lange Bank' | '... guten Dinge sind 3' | 'Fersengeld' |
'nach Jahr und Tag' | '... der mahlt zuerst' | 'Stadtluft macht frei'
salbadern
Salbadern ist ein alter Ausdruck für: schwafeln, schwätzen.

(Heute meist nur noch dichterisch gebraucht).
saumselig:
Saumselig ist ein alter Ausdruck für: verträumt, etwas nachlässig.
(Heute meist nur noch dichterisch gebraucht).

Schachthut:
Eine Kopfdeckung der Bergleute. Sie besteht aus starkem Filz.

Schafskälte:
Die 'Schafskälte' ist die Zeit vom xxx bis xxx zum.

Sie hat ihren Namen von der Tatsache, dass die Schafe ...
Innungen
auch: Skarteke, Schwarte.
Verächtliche Bezeichnung für ein altes Buch.

Wahrscheinlich ist die Herkunft vom mittellat.:
chartaceum (Werk aus Papier).
Schaube:
Eine Schaube war ein bis auf die Füße reichendes (mantelartiges) Gewand (mit oder ohne Kapuze).

Es wurde vom Ende des 15. Jh. bis etwa zum Beginn des 17. Jh. von Männern und Frauen getragen.

Der Nachfolger der Schaube war die Harzkappe. Heute erinnern noch: Roben und Talare an dieses Kleidungsstück.


Siehe auch: Harzkappe, Schaube, Tappert.
Scherflein:
Ein Scherflein ist im übertragenen Sinne 'ein kleiner Beitrag'.

Ein Scherf war eine Münze mit Sollbruchstellen. Diese Münze tauchte zuerst im 14. Jh. in Niedersachsen auf.

Die Sollbruchstellen waren dafür gedacht, die Münze in kleinere Teile (mit geringerem Münzwert) zerbrechen zu können. Wohl als Wechselgeld etc.

Die Bezeichnung Scherfe meint dabei 'Scherbe' - weil man die großen Münzen quasi in 'Scherben' = Scherflein zerteilen konnte.

Bei Georg Büchner in:  'Deutsche Geschichte von 1815-1870'  findet sich dazu:


»[...] Die Anfänge der deutschen Flotte aber, für die in Deutschland der Ärmste sein Scherflein gegeben, für welche die deutschen Frauen gearbeitet und gewirkt hatten, diese wurden öffentlich versteigert [...]«



Siehe auch: RW: großer Batzen | Belagerungsmünzen | Deut | Ewiger Pfennig | Halbskoter |
Heckenmünze | Heller | Hungermünze | Kipper und Wipper | Münzverrufung |
Scherflein | Schnapphahn | RW: Schrot und Korn.
Schindanger:
Der Schindanger war ein Areal (Wiese, Grasland), auf dem Tierkadaver vergraben und diejenigen Menschen verscharrt wurden, denen nach damaliger Rechtsauffassung kein ehrenvolles christliches Begräbnis 'zustand'.

Zeitweise waren dies:

hingerichtete Verbrecher, Prostituierte, Christen, die gegen das christliche 'Wuchergebot' Zinsen genommen hatten, Ungetaufte ...

In Heinrich Kleists Erzählung:  'Michael Kohlhaas'  findet sich dazu:

»[...] Kohlhaas sagte, daß er eher den Abdecker rufen, und die Pferde auf den Schindanger schmeißen lassen, als sie so, wie sie wären, in seinen Stall zu Kohlhaasenbrück führen wolle [...]«



Siehe auch: Abdecker, Freiknecht, Fall-, Feld- oder Wasenmeister, Kafiller, Schinder.
Schinder
auch: Abdecker, Freiknecht, Fall-, Feld- oder Wasenmeister, Kafiller.
Der Schinder hatte z. B. die Aufgabe, verendetes Vieh wegzuschaffen, zu verscharren, freilaufende Hunde einzufangen, Kloaken zu reinigen ...

Die Kadaverbeseitigung erfolgte dabei auf dem Schindanger.

Seine Stellung brachte es nach altem dt. Recht mit sich, dass der Schinder als anrüchig galt. D. h., dass er nicht in eine Zunft eintreten, noch den Militärdienst leisten konnte.

Er war aber nicht vollkommen ehrlos (so konnte er Zeuge vor Gericht sein). Die Kinder des Schinders hatten den Makel der Ehrlosigkeit allerdings nicht mehr (sofern sie nicht selbst wieder den Beruf des Schinders angenommen hatten).


Literatur zum Thema:

Sehr viel Interessantes zum Thema Schinder, Abdecker etc. in:

"Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft",
(Hrsg.: Professor Bernd-Ulrich Hergemöller),
Fahlbusch Verlag Warendorf, Jahr: 2001,
ISBN: 3-925522-20-4

Schmetterling
auch: engl.: 'Butterfly', franz. 'Papillon'.
Der Schmetterling (der Buttervogel (Butterfly)) hat seine Bezeichnung wahrscheinlich von der Tatsache, dass er sich gerne auf Milchkannen etc. niederlässt.

Im ne. heißt der Milch-Rahm nämlich 'Schmetten' ...

Falls Sie sich wundern, dass Butterfly nicht mit: 'Butterfliege' übersetzt ist ... In einem älteren (aber trotzdem recht guten!) Nachschlagewerk fanden wir dazu:

[Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens', (1927-42), S. 21345]

Schmetterling:
»Dem Landmann ist alles Vogel, was fliegt; daher wird auch der Sch. häufig nach dem Vogel benannt [...]«

So gibt es Schmetterlinge mit der Endung: -vogel. Wie z. B.:
Mondvogel, Großer Eisvogel, Maivogel, Wiesenvögelchen ...


Eine kleine Eselsbrücke zur Herkunft der Bezeichnung: 'Schmetterling' ist folgendes Anagramm: TESTGERNMILCH.

Siehe auch: unsere nicht so ganz ernst gemeinten: Tier-'Sorten'.
Schnabelschuhe
auch: Schiffsschnäbel.
Schnabelschuhe hatten eine sehr lange (schnabelförmige) Spitze. Bei manchen war die Spitze auch noch nach oben gebogen.

Formen davon gab es sogar schon im Altertum, etwa: bei den Hethitern und Ägyptern, Griechen und Römern ...

Die Schnabelschuhe kamen dann im Hochmittelalter (wohl über die Kreuzritter) nach Europa und wurden zunächst einmal im 12. und 13. Jh. hier getragen. Dann waren sie wohl eine zeitlang aus der Mode und tauchten im 14. Jh. in Frankreich unter dem Namen: "Poulanes" ('Schiffsschnäbel') wieder auf.

Die größte Schnabellänge wurde etwa im 14. oder 15. Jh. erreicht. Wobei die Längen für die einzelnen Stände (Adel, Stadt-Bürger) verschieden festgelegt waren.

Zeitweise war das Tragen dieser Schuhe (bis zum Ende des 15. Jh.) sogar verboten.

Da im Mittelalter die Städte vielfach noch kein wirklich funktionierendes Abwasser- und Müllentsorgungssystem hatten, wurde folglich der Unrat einfach in die ohnehin meist engen Gassen gekippt, deshalb trugen die wohlhabenden Bürger zusätzlich noch Trippen unter den Schnabelschuhen.


Siehe auch:
Bärenfüße | Entenschnäbel | Schnabelschuhe | Trippen.


Literatur zum Thema: Mittelalter
Schnapphahn
1. Ein berittener Wegelagerer (Raubritter ...), aber auch eine Art Söldner, der schon 'mal die Seiten wechselte, um Beute zu machen.

'Snaphaan' bedeutete im Holländischen, und 'Snapphane' im Schwedischen eine Flinte. Wohl wegen des Schnappgeräusches des Flintenhahnes direkt vor dem Schuss.

Johann Christoph Adelung ist in seinem "Wörterbuch der hochdeutschen Mundart" von 1801 der Meinung, dass der französische Begriff 'Chenapan' (Strolch, Bandit, Spitzbube) aus dem deutschen Begriff Schnapphahn entstanden ist. Wann, ist aber hier nicht bekannt.

Im Englischen gibt es noch den Begriff 'Snaphance' = .

2. In Niedersachsen war Schnapphahn auch der Spitzname für einen Gerichtsdiener.

3. Schnapphahn ist auch eine Bezeichnung für eine alte Silbermünze (seit dem 15. Jh. gebräuchlich); mit einem Reiter auf der Revers-Seite (die Figur auf der Münze wurde als Raubritter = Snap'han angesehen).


Siehe auch: RW: großer Batzen | Belagerungsmünzen | Deut | Ewiger Pfennig | Halbskoter |
Heckenmünze | Heller | Hungermünze | Kipper und Wipper | Münzverrufung |
Scherflein | Schnapphahn | RW: Schrot und Korn.
Schnur:
Die "olle" Verwandtschaft.
Schnur = alter Ausdruck für: Schwiegertochter.



Siehe auch:
Aftermutter | Ahn | Altvorderen | Base | Eidam | Ellermutter | Gevatter |
Großmuhme | Kunkelmagen | Magen | Muhme | Oheim | Schnur | Schwäher |
Schwertmagen | Schwieger | Spillmagen | Vatermagen |
Schnurstracks:
Die heutige Bedeutung ist: sofort, gleich, auf direktem Wege ....

Schrot und Korn:
Schrot war das Münzgewicht und Korn das enthaltene Edelmetall (der Feingehalt) der Münze.



Siehe auch: RW: großer Batzen | Belagerungsmünzen | Deut | Ewiger Pfennig | Halbskoter |
Heckenmünze | Heller | Hungermünze | Kipper und Wipper | Münzverrufung |
Scherflein | Schnapphahn | RW: Schrot und Korn.
Schwabenalter:
Scherzhaft für das 40. Lebensjahr. Die Schwaben sollen nach der Sage erst ab diesem Alter Verstand erhalten.
Schwäher:
Die "olle" Verwandtschaft.
Schwäher = alter Ausdruck für: Schwiegervater.



Siehe auch:
Aftermutter | Ahn | Altvorderen | Base | Eidam | Ellermutter | Gevatter |
Großmuhme | Kunkelmagen | Magen | Muhme | Oheim | Schnur | Schwäher |
Schwertmagen | Schwieger | Spillmagen | Vatermagen |
Schwarze Kammer:

Siehe: Cabinet noir
Schwieger:
Die "olle" Verwandschaft.
Schwieger = alter Ausdruck für: Schwiegermutter.



Siehe auch:
Aftermutter | Ahn | Altvorderen | Base | Eidam | Ellermutter | Gevatter |
Großmuhme | Kunkelmagen | Magen | Muhme | Oheim | Schnur | Schwäher |
Schwertmagen | Schwieger | Spillmagen | Vatermagen |
Schwippschwager:
'Schwipp' meint: entfernt verschwägert.

Eine 'Schwippschwagerbeziehung' haben z. B. der Bruder der Ehefrau und der Bruder des Ehemannes zueinander.

Sie sind natürlich nicht wirklich Schwäger, sondern sie werden so (zumindest sprachlich, gefühlsmäßig) in den 'Rang' von solchen erhoben - 'gehören also dann auch zur Familie' der Eheleute.


Siehe auch:
Aftermutter | Ahn | Altvorderen | Base | Eidam | Ellermutter | Gevatter |
Großmuhme | Kunkelmagen | Magen | Muhme | Oheim | Schnur | Schwäher |
Schwertmagen | Schwieger | Spillmagen | Vatermagen |
selbdritt:
Der alte Ausdruck 'selbdritt' steht für: 'zu dritt'.

(Heute meist nur noch dichterisch gebraucht).

Es meint: eine Person (sie selbst) und 2 weitere. Beispiel das berühmte Gemälde 'Anna selbdritt' von: Leonardo da Vinci.
Das Bild stellt Anna (die Mutter von Maria) und 2 weitere Personen dar (Maria und Jesus als Kind).

Der Begriff 'selbdritt' ist auch hier kein Name, sondern meint ('zu dritt'). Deshalb auch kleingeschrieben!
Siebengebirge:
Das Siebengebirge hat seinen Namen nicht etwa von 7 Bergen, sondern von den vielen "Siefen" (tiefen Tälern), die es dort gibt.
Simonie:
Simonie ist der Handel mit kirchlichen Ämtern.

Siehe auch: Religion/Personen der Bibel: Simon Magus
sintemal:
Sintemal ist ein alter Ausdruck für: 'weil'.

(Heute meist nur noch dichterisch gebraucht).
Sold:
Sold kommt von: "solidus" (einer röm. Goldmünze aus "gediegenem" [reinem] Gold).

Die Münze "solidus" soll Alexander Severus (222-235 n. Chr.) eingeführt haben.
Der Begriff "solidus" ist übrigens aus "nummus solidus" verkürzt worden.
Der Begriff "nummus" allein bezeichnete eine Silbermünze.
Spinnhaus:
Ein Spinnhaus war (etwa im 16. und 17. Jh. ein Gefängnis, Zuchthaus, eine Einrichtung zur Zwangsarbeit).

Den Namen hat das Spinnhaus daher, weil dort die Insassen Spinnarbeiten leisten mussten.

Bei Christian Wernicke (*1661 †1725) in  'Crispina und Hirpinus'  (um 1697) findet sich dazu: Schmetterling:
»[...] Crispina schwert, Hirpinus schwert, Biss in das Spinnhaus sie, er in das Tollhaus fährt [...]«

Bei Theodor Fontane: (*1819 †1898) in  'Ellernklipp'  (um 1881) findet sich dazu:
»[...] Denn ein *Heidereiter sei doch eigentlich nur was Kleines und Geringes und eigentlich bloß dazu da, Bettel- und Weibsvolk, das sich *Reisig sammelt, ins *Prison oder Spinnhaus zu bringen [...]«



Literatur zum Thema: Mittelalter
spornstreichs:
Spornstreichs ist ein alter Ausdruck für sofort.

(Heute meist nur noch dichterisch gebraucht).
Der Ausdruck meint, etwas schnell ausführen.

Der Ursprung ist, dass ein Reiter einem Pferd einen plötzlichen 'Streich' (Stich) mit den 'Sporen' gibt, um es anzutreiben.
Sporteln:
Sporteln waren die Entgelte, die (im 15. - 18. Jh.) nach gesetzl. festgelegten Normen, an Gerichtspersonen (Richter ...) für ihre Amtshandlungen zu zahlen waren.

Durch die preuß. Justizreform erhielten die Richter stattdessen feste Bezüge.

Der Ursprung des Wortes liegt wohl im lat.: sportella = "Gabe an Klienten; Geldgeschenk".
Sprengel
auch: Kirchspiel, Kirchensprengel, Parochie.
Kirchenbezirk, Amtsbezirk eines Pfarrers.
Stadtluft macht frei:

Siehe: "Jahr und Tag".
Stadtzinkenist:
Stadtzinkenisten waren Angehörige der Zunft der Stadt- oder Kunstpfeiffer.

Ein Zinken war dabei ein Blasinstrument, ähnlich einer Posaune.
Stahlhelmhochzeit:
Der Begriff der 'Stahlhelmhochzeit' stammt aus dem 3. Reich.

War ein Bräutigam im WK II (1939-1945) gefallen, konnte dessen Braut trotzdem noch mit dem nun toten Verlobten getraut werden. Dazu wurde ein Stahlhelm als Vertretungssymbol auf den Bräutigam-Stuhl bei der entsprechenden Hochzeitszeremonie (auf dem Standesamt) gelegt.
Strohfidel
auch: Gigelyra, Hölzernes Gelächter, Holzharmonium, Xylophon.
Ein Schlaginstrument, das auf eine Strohunterlage gebettet wurde.

Es besteht aus Holzstäben, auf die mit Klöppeln geschlagen wird.
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